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synopsis

 

regisseur über gendun choephel

 

interview mit regisseur

   
   
   
 

Bei meinen Versuchen, Tibet mit all seinen Widersprüchen zu verstehen, bin ich immer wieder auf einen Namen gestossen: Gendun Choephel — ein Mönch aus dem Alten Tibet.
Seiner eigenen Gesellschaft — im Westen zum Mythos verklärt — stand er skeptisch gegenüber. Tibet, für viele das Modell einer gewaltfreien, idealen Gesellschaft, voll von Magie und Spiritualität, hielt er für dringend reformbedürftig.

Wie stark das Leben des rebellischen Mönchs mit dem Schicksal von Tibet verknüpft war, entdeckte ich erst nach und nach, während meiner Reise auf seinen Spuren. Gerade in den letzten Jahren ist er für viele Tibeter zu einer wichtigen Identifikationsfigur geworden... Für mich eine Art Schlüssel zu Tibet.

 
           
     
         
   
Gendun Choephel, 1950   Potala Palast, 2002   Mönchspolizsist in Lhasa, 1949
 
           
       

Die Idee zum Film ANGRY MONK – REFLECTIONS ON TIBET geht auf mehrere Reisen nach China, Tibet und Indien zwischen 1988 und 1999 zurück. Ohne es zu wissen, bewegte ich mich damals an denselben Orten wie der Protagonist des Films — über 50 Jahre vor mir. Seit 1988 beschäftige ich mich nun intensiv mit Tibet und vor allem damit, wie Tibet im Westen wahrgenommen wird.

Gendun Choephel (1903-51) ist ein Wanderer zwischen den Welten – gleichzeitig Träumer, Rebell und Forscher. Er lebt in einer historischen Periode, die bestimmend für die Zukunft seines Landes ist — eingeklammert durch die Invasion der britischen Kolonialisten 1903 und den Einmarsch der Chinesen 1951. Tibet ist damals nicht das unzugängliche Shangri-La, wie oft behauptet wird, sondern ein zerrissenes Land an der Schwelle des Wandels. Die Versuche die veralteten Sozialstrukturen aufzubrechen und einen eigenen Weg ins 20. Jahrhundert zu finden, scheitern am Widerstand des konservativen Adels und der Klöster.
 

 
           
     
     
Zhöpang, 1999   Milarepa, der verrückte Heilige   Parteiausweis, 1946  
 
           
 
ANGRY MONK
Reflections on Tibet
von Luc Schaedler
Schweiz 2005
1:1,85 • 35mm • Farbe
97 Minuten • Ov/d
   

Während sich Tibet abschottet, bleibt Gendun Choephel offen für neue Erfahrungen. Über seine Schriften, Artikel, Bilder und Skizzen hat er Spuren bis heute hinterlassen. Durch die kritische Beobachtung der eigenen Gesellschaft, die Hinwendung zu politischen Themen und dem Versuch, sie im Alltag umzusetzen, verkörpert er die Anfänge eines kritischen intellektuellen Denkens innerhalb der tibetischen Gesellschaft.

In den letzten Jahren wurde Gendun Choephel sowohl im chinesisch besetzten Tibet wie auch im indischen Exil zu einer Identifikationsfigur junger Tibeter. Während die Eltern Tibet verloren haben, sucht die jüngere Generation nach Identifikationsfiguren, die einen kritischen Blick auf die eigene Gesellschaft erlauben. Im Westen jedoch wird er nur langsam wahrgenommen, weil seine Lebensgeschichte offenbar nicht in unser starres Bild passt, welches die Tibeter lieber als Opfer und nicht als Agenten ihrer eigenen Geschichte sieht.

Luc Schaedler